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Radiokolleg

FürsorgewissenschaftHelfen, ohne zu bevormunden (1). Gestaltung: Ute Maurnböck Helfen, ohne zu bevormunden. Das war das Credo der Protagonistinnen und Protagonisten, die neue Wege in der sogenannten Fürsorgewissenschaft beschreiten wollten. Bis dahin wurden sozial Bedürftige meist ignoriert oder unterdrückt. Eine dieser frühen Kämpferinnen war Ilse Arlt, die die Sozialarbeit ab den 1910er Jahren zu professionalisieren begann. Im "Roten Wien" wurden Kindergärten, Mütterberatungsstellen, Programme für Gesundheitserziehung oder der Ausbau der Familienfürsorge forciert. Hier konnten neue Modelle entwickelt und erprobt werden. Zugleich wollte die junge Sozialarbeit auch die Teilhabe der Frauen vorantreiben und eine gerechtere Gesellschaftsordnung erreichen. Als wegweisend ist auch die Arbeit von August Aichhorn, einem Freud-Schüler, zu sehen. Er baute die Sozialpädagogik auf und erzielte mit vernachlässigten Kindern und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen große Erfolge, indem er sie professionell in Heimen betreute. Anstatt sie in Besserungsanstalten wegzusperren, begegnete er ihnen mit Aufmerksamkeit und Interesse. Er gilt als Gründer der psychoanalytischen Pädagogik. Auch Sozialarbeiter/innen wie Rosa Dworschak, Ernst Federn und Bertha Pappenheim gelten heute als Vorreiter/innen auf dem Gebiet - alle mit durchwegs schillernden Biographien. Sie einte ihr Engagement. Besonders in jener Zeit, als Austrofaschismus und danach Nationalsozialismus ihre sozialpolitischen Projekte bekämpften, zerstörten und sogar für eigene Zwecke missbrauchten. "Asoziale" und "lebensunwerte" Menschen wurden von den Fürsorgestellen weg "aussortiert", für medizinische Experimente missbraucht oder gleich getötet. Die heutige Sozialarbeit jedoch stützt sich nach wie vor auf die Ideale, Erfolge und wissenschaftlichen Forschungen dieser Zeit: sie will Menschen auf Bewährung genauso integrieren wie solche, die migrieren; sie motiviert Arbeitslose, gibt Menschen in Hospizen Zuwendung, findet sich in der aufsuchenden Jugendarbeit und gibt Obdachlosen oder von Delogierung Bedrohten praktische Unterstützung.
Montag 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

Monte VeritàBayerische Wilderer Helden oder Verbrecher? Aussteiger um 1900 Nacktkultur und Barfußphilosophen Das Kalenderblatt 17.6.1631 Mumtaz Mahal stirbt Von Anja Mösing Bayerische Wilderer - Helden oder Verbrecher? Autorin: Julia Zantl / Regie: Aussteiger um 1900 - Nacktkultur und Barfußphilosophen Autorin: Carola Zinner / Regie: Irene Schuck Lange Haare, wilde Bärte, Kittel und weite Hosen aus einfachen Stoffen: Die Aussteiger, die um 1900 auf der Suche nach einem alternativen Leben auf dem Monte Verità nahe Ascona zusammenfanden, waren leicht zu erkennen. "Man glaubte unter Urwaldmenschen zu sein", schrieb der Bildhauer Max Kruse, der sich wie zahlreiche andere Künstler wiederholt in der Kolonie aufhielt. Wichtige Grundsätze der Reformer waren ein freies, einfaches Leben im Einklang mit der Natur und der Verzicht auf Fleisch, Nikotin und Alkohol. Zwei bedeutende Vertreter der Lebensreform wohnten und wirkten zeitweise auch in München: Karl Wilhelm Diefenbach, der "Kohlrabiapostel", wie die ihn Einheimischen titulierten, lebte mit seinen Gefährten in einem Steinbruch bei Höllriegelskreuth. Einer seiner Schüler war Gusto Gräser, zentrale Figur des Monte Verità, befreundet mit Erich Mühsam, Hermann Hesse, Isadora Duncan und zahlreichen anderen prominenten Persönlichkeiten. Gräser starb 1958 einsam und vergessen im Münchner Stadtteil Freimann, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbracht hatte. Moderation: Thies Marsen Redaktion: Thomas Morawetz
Montag 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

SüdtirolproblemsZwischen Schweigen und Erinnern (1). Gestaltung: Anna Masoner Am 23. Juni 1939 kam es in Berlin zu einer ungewöhnlichen Abmachung. Gerade zwei Stunden Verhandlungen hatte der illustre Tross deutscher und italienischer Politiker und Diplomaten gebraucht um eine Lösung des sogenannten Südtirolproblems zu finden. Die deutsche und ladinische Bevölkerung der nördlichsten Provinz Italiens sollte vor die Wahl gestellt werden: entweder ins Dritte Reich umzusiedeln oder als italienische Staatsbürger ohne Minderheitenschutz im Land zu bleiben. Als "Option" sollte die daraus resultierenden Jahre der Abwanderung der Südtirolerinnen und Südtiroler in die Geschichtsbücher eingehen. Rund 200.000 stimmten für eine Umsiedlung ins Deutsche Reich, etwa 75.000 sollten schließlich gehen. Die Option hat schmerzhafte Spuren in der Lebensgeschichte vieler hinterlassen und das kollektive Bewusstsein der Südtiroler Gesellschaft nachhaltig geprägt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die erbitterten Auseinandersetzungen zwischen "Dableibern" und "Optanten" totgeschwiegen, erst sehr viel später begannen Schriftsteller, Historiker und Politiker mit der Aufarbeitung, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Welchen Stellenwert hat die Option 80 Jahre später für das Geschichts- und Selbstbild des Landes?
Montag 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

jacques offenbachJacques Offenbach und sein Einfluss auf die Wiener Operette (1). Gestaltung: Alexandra Faber Jacques Offenbach wird gemeinhin mit frivolen, Beine schwingenden und Unterwäsche zeigenden Damen assoziiert. Doch Offenbach ist mehr als nur Cancan. Das Leben und Werk des vor 200 Jahren in Köln geborenen Komponisten wird stark von der Politik beeinflusst, - sei es von der Französischen Revolution oder dem Deutsch-Französischen Krieg. Immer wieder kommt Offenbach gerne nach Wien: Hier löst der Satiriker Offenbach mit seinen grotesken Stücken einen wahren Hype aus und wird so zum Wegbereiter der Wiener Operette. Einen besonderen Erfolg landet er mit der Mythenparodie "Orpheus in der Unterwelt", die zum Ursprung einer neuen Gattung, der Operette, wird. Anläßlich des Jubiläums gehen Forscher verstärkt auf die Suche nach den "radikalen" Aspekten in Offenbachs Werken. Mit sozialkritischer Schärfe durchleuchtet er nämlich die Gesellschaft des Zweiten Kaiserreiches und entlarvt zudem die hohle Autorität der Mächtigen. Obwohl er über 100 Musiktheaterstücke geschrieben hat, werden nur wenige aufgeführt. Alexandra Faber geht der Frage nach, warum sie in Vergessenheit geraten sind und welche Operetten der Wiederentdeckung harren, wie etwa "Roi carotte", ein Werk, das eine Mischung aus Opéra-bouffe (Operette) und Grand Opéra, aus Féérie und Revolutionsoper ist.
Montag 09:45 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

margot honeckerErich und Margot Honecker "In unserer DDR ..." Auf dem Weg in die Emanzipation Frauenrechte in BRD und DDR Das Kalenderblatt 17.6.1631 Mumtaz Mahal stirbt Von Anja Mösing Erich und Margot Honecker - "In unserer DDR ..." Autorin: Renate Eichmeier / Regie: "Der Sozialismus ... hat unwiderruflich gesiegt." Sagte die 61jährige Margot Honecker noch im Juni 1989 im Palast der Republik. Wenige Wochen später begann die Massenflucht vor allem junger Menschen aus der DDR. Die Ära Honecker ging zu Ende und mit ihr der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden. Begonnen hatten Erich und Margot Honecker ihre Karrieren nach dem Zweiten Weltkrieg als Funktionäre der kommunistischen Jugendorganisation FDJ, charismatisch, an den Sozialismus glaubend, voller Bewunderung für Stalin. Erich Honecker stieg zum Partei- und Staatschef auf und gab den politischen Hardliner mit Spießerimage. Seine Frau Margot setzte als Ministerin für Volksbildung innovative Konzepte wie polytechnische Bildung und Ganztagsbetreuung durch, aber auch umstrittene Maßnahmen wie den Wehrkundeunterricht. Mehr als zwei Jahrzehnte prägten die Honeckers den sogenannten Staatssozialismus der DDR, verloren zunehmend den Kontakt zum Volk und verweigerten sich bis zuletzt der sowjetischen Reformpolitik von Michail Gorbatschow. Im Winter 1989 wurden sie zum Rücktritt gezwungen. Auf dem Weg in die Emanzipation - Frauenrechte in BRD und DDR Autorin: Ulrike Beck / Regie: Sabine Kienhöfer "Als Sozialdemokratin freut es mich, dass es eine sozialdemokratische Regierung war, die die deutschen Frauen von ihrer politischen Unmündigkeit befreit hat." Marie Juchacz am 19.Februar 1919 in der Weimarer Nationalversammlung. Die Politikerin ist die erste Frau, die eine Parlamentsrede in Deutschland hält. Sie ist - wie so viele - der Überzeugung, in einer Ära der "emanzipierten Frau" angekommen zu sein. Juchacz kann nicht ahnen, dass nur 14 Jahre später die Nationalsozialisten die Rechte der Frauen drastisch einschränken werden. Sie kann ebenfalls nicht ahnen, dass Deutschland in zwei Staaten geteilt wird und dass es in der BRD bis 1968 dauern wird, bis eine neue Frauenbewegung gegen nach wie vor bestehende Ungleichbehandlungen laut wird. Während in der DDR sich der Alltag für Frauen ganz anders entwickelt. Frauen sind dort von Anfang an als Arbeitskräfte gewünscht und können auf ausreichende Betreuungseinrichtungen für ihre Kinder zurückgreifen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird für sie zur Selbstverständlichkeit. Ab 1972 haben sie das Recht auf einen straffreien Schwangerschaftsabbruch, das ihnen mit der Wiedervereinigung wieder genommen wird. Trotz riesiger Fortschritte ist die Geschichte der Emanzipation von der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung bis heute noch nicht abgeschlossen. Es warten immer neue Herausforderungen, die zu bewältigen sind. Moderation: Michael Zametzer Redaktion: Thomas Morawetz
Montag 15:05 Uhr

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Radio Blau

jung & blau

EssenHast Du heute schon was gegessen? 18:00 - 19:00 / Eine WG - Essenkochen - Essenhören - Essenschauen und am Ende doch Pizza. Ein selbstgekochtes Feature zum Thema Essen - produziert von Schüler*innen der Neuen Nikolaischule
Montag 18:00 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

AufstiegDie Kinder sollen es einmal besser haben Wie zeitgemäß ist das Aufstiegsversprechen? Von Heiner Kiesel Jedes Kind kann es schaffen, wenn es sich bildet. Das war ein großes Versprechen. Ergänzt durch die Botschaft: Wenn es insgesamt wirtschaftlich bergauf geht, darf auch der Einzelne darauf hoffen, dass sich seine Verhältnisse kontinuierlich verbessern. Doch diese Narration hat an Kraft verloren. Düstere Aussichten sind an ihre Stelle getreten, die Angst vor Stagnation und Abstieg, vor einer Gesellschaft, in der nur noch die Reichen reicher werden. Und gute Bildung nicht mehr für alle zu haben ist. Doch wie sieht die soziale Dynamik wirklich aus? Was ist gemeint, wenn es um sozialen Aufstieg geht - und ist das hartnäckige Streben danach überhaupt noch zeitgemäß?
Montag 19:30 Uhr

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WDR5

Dok 5 - Das Feature

agadezAgadez, Niger - Europas Grenzposten in Westafrika Von Bettina Rühl In Agadez, einer Oasenstadt im Norden von Niger, ist die Wirtschaft zum Stillstand gekommen. Auf Europas ausdrücklichen Wunsch hat die nigrische Regierung 2016 ein Gesetz verabschiedet, das es Ausländern verbietet, nördlich von Agadez unterwegs zu sein. Die Region verarmt. Drei Viertel aller afrikanischen Migranten, die Italien in den vergangenen Jahren per Boot über das Mittelmeer erreichten, hatten zuvor auf ihrem Weg Niger durchquert. Durch das Gesetz hoffte Europa, die Migration von Afrika nach Europa beschränken zu können. Die Bilanz drei Jahre später zeigt: Vor allem die Armut in der Region hat durch das Gesetz zugenommen. Viele, die vorher ganz legal von den Reisenden lebten, haben ihre Existenzgrundlage verloren. Dabei versprechen europäische Politiker mantraartig, "Fluchtursachen bekämpfen" zu wollen, unter anderem Armut. Zwar finanziert die EU nun zum "Ausgleich" einzelne Projekte, die aber kaum die damit Begünstigten ernähren, geschweige denn die Wirtschaft wieder anschieben können. Dabei zählt Niger schon jetzt zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Ein Ortsbesuch in Agadez. Aufnahme DLF/WDR 2019
Montag 20:04 Uhr

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NDR Info

Das Forum

cannabisEin Land auf Droge? Kanadas Erfahrungen mit der Cannabis-Freigabe Feature von Kai Clement, ARD-Studio New York Wie gefährlich ist Cannabis? Diese Diskussion wird seit Jahrzehnten geführt. Ärzte warnen: Cannabis kann die Gedächtnisleistung einschränken und die Aufmerksamkeit reduzieren. Auch in Deutschland dürfen Ärzte Cannabis inzwischen aber als Medikament verschreiben: In der Schmerztherapie zum Beispiel. Cannabis kann süchtig machen - und, so heißt es - eine Einstiegsdroge in die Kriminalität sein - denn Cannabis ohne Rezept gibt es in fast allen Ländern weltweit nur illegal - also auf dem Schwarzmarkt. An diesem Punkt geht Kanada seit Oktober vergangenen Jahres einen anderen Weg. Cannabis ist in Kanada jetzt weitgehend legal. Nicht nur als Medikament - auch als Genussmittel. Premierminister Trudeau hat damit ein Wahlversprechen eingelöst. Der ehemalige Polizeichef von Toronto, dessen Aufgabe früher auch war, den Cannabis Handel zu unterbinden, kontrolliert nun als Cannabis-Minister das Geschäft damit. Ein neuer - legaler Markt - ist entstanden. Doch nach wie vor gibt es auch in Kanada Vorschriften und Verbote, die den Umgang mit Cannabis regeln. Auch sind nicht alle kritischen Stimmen verstummt. ARD-Korrespondent Kai Clement zieht eine erste Bilanz der Cannabis-Freigabe in Kanada. Das Forum
Montag 20:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

jacques offenbachDie Geschichte der österreichischen Sozialarbeit. Helfen, ohne zu bevormunden (1). Gestaltung: Ute Maurnböck Zwischen Schweigen und Erinnern. Das Erbe der Südtiroler Option (1). Gestaltung: Anna Masoner Mehr als nur CanCan. Jacques Offenbach und sein Einfluss auf die Wiener Operette (1). Gestaltung: Alexandra Faber
Montag 22:08 Uhr

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